Wohnungsmarktbericht NRW 2017
Wohnungsmarktbericht NRW 2017 59 Entwicklung des Wohnungsangebots 58 Wohnungsmarktbericht NRW 2017 Entwicklung des Wohnungsangebots In einigen Regionen sorgt jeder Neubau für mehr Leerstand Eindeutig ist aber, dass in Teilen des Sauerlands, des Ruhrgebiets und im Kreis Minden zumindest quantitativ zu viel gebaut wird. Dort wächst mit jedem Neubau der Leerstand – derzeit in einer Größenordnung von jährlich 100 bis über 500 Wohnungen. Vorsicht ist auch im nörd- lichen Münsterland sowie in den Kreisen Herford und Heinsberg angebracht, wo das aktuelle Neubauniveau nur durch den unsicheren Flüchtlingsfaktor gerecht fertigt wird. Auch qualitätsbedingter Neubau wichtig, aber mit Augenmaß Grundsätzlich ist Neubau aber auch in diesen Regionen sinnvoll. Besonders in Märkten mit älterem Bestand sollte zur qualitativen Ergänzung des Wohnungsangebots auch moderner Wohnraum entstehen, was nicht immer über Modernisierung oder Ersatzneubau möglich ist. Standort und Qualität des Neubaus sind dann ent scheidend. Gerade in ländlichen Räumen, die im Saldo schrumpfen, ist gezielter Neubau in den zentralen Orts- teilen und Lagen notwendig, um diese zu stärken und die Region insgesamt damit lebensfähig zu halten – auch wenn dafür an anderer Stelle der Leerstand wächst. Passt der Neubau auch qualitativ zum Bedarf? Angesichts der beschriebenen demografischen Verän- derung – der Alterung, der Zunahme kleiner Haushalte, des (zuletzt freilich etwas gebremsten) Rückgangs von Familien mit Kindern (Kap. 1.3) – stellt sich die Frage, ob der Wohnungsneubau nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ – also bezüglich Art und Größe – adäquat auf diese Herausforderungen reagiert. Da sowohl die Qualität des Neubaus schwierig zu bestimmen als auch die Nachfrage nach bestimmten Wohnqualitäten kaum zu prognostizieren ist, beschränkt sich die folgende Analyse auf den Aspekt der Wohnungsgröße. Nun ist die Zunahme kleiner Haushalte nicht mit einem ebenso hohen Nachfragezuwachs nach kleinen Wohnungen gleichzusetzen. Paare und Alleinlebende, deren Kinder ausgezogen sind, möchten häufig in der großen Wohnung bleiben, solange nicht altersbedingte Beeinträchtigungen einen Umzug erfordern. Auch werden sich Alleinlebende, die eine neue Wohnung suchen, nicht auf 1-Zimmer-Wohnungen beschränken, solange sie sich Größeres leisten können. Dennoch steigt insgesamt der Bedarf an kleinen Wohnungen: zum einen in den nachfragestarken Regionen, in denen sich ein wachsender Teil der Bevölkerung angesichts steigender Preise keine zu großen Wohnungen mehr leisten kann, zum anderen in den Regionen mit älteren Eigenheimbeständen, in denen viele ältere Haushalte nur deshalb in ihrem Eigenheim bleiben, weil es kein adäquates Angebot an altersgerechten kleineren Wohnungen gibt. Neubau von kleineren Wohnungen hat relativ und absolut zugenommen Tatsächlich hat sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre der Schwerpunkt im Neubau zu kleinen Wohnungen verschoben. Diese Anpassung wurde hauptsächlich vom Rückgang des Einfamilienhausbaus bis zum Jahr 2009 verursacht (Abb. 3.4.3). In der Landessumme stellen Einfamilienhäuser in Puncto Wohnflächen und Zimmer- zahl nach wie vor den Löwenanteil großer Wohnungen. 46 In der amtlichen Statistik sind die Wohnungen nach der Zahl der Räume differenziert. Da eine Küche als Raum zählt, wurden die Bezeichnungen entsprechend umgerechnet (3-Raum-Wohnung = 2-Zimmer-Wohnung etc.), um den Vergleich mit Förder- und Mietenstatistik zu ermöglichen. 20.000 18.000 16.000 14.000 12.000 10.000 8.000 6.000 4.000 2.000 0 Abb. 3.4.3: Fertiggestellte Wohnungen nach Wohnungsgröße/Zimmerzahl 46 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Daten: IT.NRW (Bautätigkeitsstatistik) NRW.BANK 2017 Wohnungen Einfamilienhäuser Wohnheimplätze Wohnungen mit 1 Zimmer/Apartments 2 Zimmern 3 Zimmern 4 und mehr Zimmern Historische Bausubstanz und lokale Baukultur sind wichtige Elemente regionaler Identität. Erhalten lassen sich Bau denkmäler am besten, wenn es gelingt, eine zeitgemäße Nutzung für sie zu finden. Doch bedingt durch die Bauweise und denkmalrechtliche Auflagen fallen bei Sanierung, Modernisierung oder Grundrissveränderungen oft hohe Mehrkosten an. Problematisch ist das insbesondere in Regionen mit eher günstigem Miet- und Kaufpreisniveau, das es kaum erlaubt, diese Kosten zu refinanzieren. Dann drohen Leerstand und Verfall. Den ehemaligen Hof im Kreis Höxter hat eine junge Familie zu modernem Wohnraum umgebaut – mithilfe der Wohnraumförderung des Landes. Die fördert mit den Programmen für Bestandsinvestitionen nicht nur den Abbau von Barrieren oder die energetische Sanierung, sondern auch die denkmalgerechte Erneuerung von selbst genutztem Wohneigentum. Modernen Wohnraum schaffen – Heimat erhalten
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