Wohnungsmarktbericht NRW 2017
Wohnungsmarktbericht NRW 2017 19 Entwicklung der Wohnungsnachfrage 18 Wohnungsmarktbericht NRW 2017 Entwicklung der Wohnungsnachfrage durchschnitt zwar auf den niedrigsten Stand seit den frühen 1990er-Jahren (726.000 Personen, Abb. 1.4.2), die Arbeitslosenquote lag aber mit 7,7 Prozent nach wie vor über dem Bundesdurchschnitt (6,1%). Hier wird deutlich, dass nach wie vor ein Missverhältnis zwischen nachgefragten und angebotenen Qualifikationen existiert und ein Teil der Arbeitslosen von der positiven Arbeits- marktentwicklung nicht profitieren kann. Das zeigt besonders der Blick auf die Langzeitarbeitslosen, deren Anteil an allen Arbeitslosen mit 43 Prozent in Nordrhein- Westfalen besonders hoch ist (Bund: 37%). Besonders ausgeprägt ist die Langzeitarbeitslosigkeit in den rheini schen Großstädten sowie in die meisten altindustriell geprägten Regionen (Ruhrgebiet, Bergisches Städte- dreieck, rheinische Kohlereviere). Verfügbare Einkommen steigen Das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen ist in Nordrhein- Westfalen in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Regionale Unterschiede sind nach wie vor erkennbar vorhanden: Die Kaufkraft in der Rheinschiene liegt insgesamt deutlich über der des Ruhrgebiets. Unter- durchschnittlich ist auch die Kaufkraft im nördlichen Münsterland, in vielen Gebieten in Ostwestfalen-Lippe und in einigen Grenzregionen zu den Niederlanden. Aller- dings können niedrigere Lebenshaltungskosten (z. B. Mieten) eine geringere Kaufkraft teilweise ausgleichen. Zahl der SGB-II-Leistungsbezieher nimmt ab, die der Bedarfsgemeinschaften zu Im engen Zusammenhang mit der Langzeitarbeits losigkeit steht die Entwicklung der Haushalte, die Leistungen nach SGB II beziehen („Hartz IV“). Wie die übrigen Transferleistungsempfänger sind sie auf angemessenen Wohnraum angewiesen, der von den Städten und Kreisen festgesetzte Höchstmieten nicht überschreiten darf. Die Zahl der Personen im Leistungsbezug hat im Jahr 2016 überraschend deutlich (–3,3%) auf 1,632 Millionen abgenommen. Dagegen wuchs die für den Wohnungs- markt relevantere Größe, nämlich die Zahl der Haushalte (Bedarfsgemeinschaften), leicht auf 0,855 Millionen (+0,7%) und setzte damit den seit 2012 andauernden Anstieg fort. Dahinter steht eine Verschiebung der Haushaltsgrößen: Wie seit vielen Jahren ist die Anzahl der alleinstehenden Leistungsbezieher, die über die Hälfte aller Bedarfsgemeinschaften stellt, erneut gewachsen (+1,9%; seit 2007: +13%), während Mehr- Personen-Bedarfsgemeinschaften im selben Zeitraum weniger wurden (seit 2007: –7%). Andererseits kommen seit 2012 auch Familien mit vier und mehr Personen verstärkt in den Leistungsbezug. Vermutlich infolge des Flüchtlingszuzugs wuchs ihre Zahl zuletzt um 3,3 Prozent; sie stellen allerdings nach wie vor nur 15 Prozent der Bedarfsgemeinschaften (Abb. 1.4.3). Die Leistungsbezieher konzentrieren sich auf die großen Städte und deren Umland, das heißt, das entspricht dem räumlichen Muster der Langzeitarbeitslosigkeit. Bezieher von Grundsicherung nach SGB XII konstant, Asylbewerber wechseln in die regulären Sozialsysteme Die Zahlen der übrigen Leistungsbezieher 14 , die an gemessenen Wohnraum benötigen, haben sich sehr unterschiedlich entwickelt (Abb. 1.4.4). Hilfe zum Lebens- unterhalt (für zeitweise nicht erwerbsfähige Personen) erhielten rund 38.200 Personen und damit etwas weniger als im Vorjahr (–2,1%). Laut IT.NRW ist das in erster Linie die Folge der Wohngeldnovelle zum 1. Januar 2016 (s. u.), nach der ein Teil der bisherigen Leistungsberechtigten in das (vorrangige) Wohngeld system gewechselt ist. Dagegen nahm die Empfänger- zahl von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbs minderung leicht auf 222.400 Personen zu (+1,1%). In der Summe beider Gruppen bedeutet das einen leichten Anstieg (+0,6%). Abb. 1.4.3: Bedarfsgemeinschaften im SGB-II-Leistungs bezug („Hartz IV“) in Nordrhein-Westfalen 500.000 450.000 400.000 350.000 300.000 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Daten: Bundesagentur für Arbeit NRW.BANK 2017 Personen Alleinstehende 2 Personen mehr als 3 Personen 3 Personen 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Abb. 1.4.2: Arbeitslose in Nordrhein-Westfalen (Jahresdurchschnitt) 1.000.000 900.000 800.000 700.000 600.000 500.000 400.000 300.000 200.000 100.000 0 Daten: Bundesagentur für Arbeit NRW.BANK 2017 Personen Arbeitslose gesamt davon Langzeitarbeitslose (länger als 1 Jahr) Die Zahl der Asylbewerberleistungsbezieher, die im Vor- jahr infolge des Flüchtlingszuzugs rasant angestiegen war, ging infolge abgeschlossener Anerkennungsver fahren 15 wieder auf 191.300 Personen zurück (–14,4%). Diese verteilten sich auf 117.600 Haushalte, von denen im Jahr 2016 erst ein gutes Viertel (30.900) dezentral 16 untergebracht waren. Die übrigen waren noch in Auf- nahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht und auf dem regulären Wohnungsmarkt noch nicht als Nachfrager aufgetreten. Insgesamt waren damit rund 1,943 Millionen Personen (ca. 11% der Gesamtbevölkerung) auf Wohnraum an gewiesen, der unterhalb der kommunalen Angemessen- heitsgrenzen liegt. Mit der fortschreitenden Anerken- nung von Flüchtlingen dürfte diese Gruppe im Jahr 2017 deutlich gewachsen sein. Wohngeldreform 2016: deutlich mehr Haushalte erhalten Leistungen Wohngeld erhalten Haushalte mit niedrigen Einkommen (oberhalb der Grundsicherung), die deshalb Schwierig- keiten haben, ihre Wohnkosten zu bezahlen. Das Wohn- geld wird in fast allen Fällen (93%) als Mietzuschuss gezahlt, in den übrigen Fällen als Lastenzuschuss (für selbst genutztes Wohneigentum). Mit der am 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Wohn- geldnovelle wurden die Wohngeldleistungen erstmals seit 2009 den gestiegenen Nettokaltmieten, Betriebs- und Heizkosten, aber auch der Einkommensentwicklung angepasst. In Nordrhein-Westfalen bezogen Ende 2016 gut 138.600 Haushalte Wohngeld, deutlich mehr (+43%) als im Jahr 2015 (Abb. 1.4.4). Darunter waren zuletzt 17 ein hoher Anteil Alleinlebender (44%) sowie ein stark überproportionaler Anteil großer Haushalte mit vier und mehr Personen (37%, gegenüber 13% an allen Haushalten). Während 75 Prozent der alleinlebenden Wohngeldbezieher Rentner sind, sind die Bezugspersonen von 87 Prozent der großen Haushalte erwerbstätig. 14 Mit Ausnahme der Statistik zum AsylbLG berücksichtigt die folgende Darstellung nur die wohnungsmarktrelevanten Haushalte außerhalb von Einrichtungen. 15 Mit der Anerkennung geht ein Systemwechsel vom AsylbLG zum SGB II („Hartz IV“) einher, sofern nicht schon eine Arbeitsstelle oder ein Ausbildungsplatz gefunden wurde. 16 Dezentrale Unterbringung umfasst neben Wohnungen, die von den Flüchtlingen oder der Kommune angemietet werden, auch Hotels, Pensionen oder vorläufig umgebaute Büros und Ähnliches. Auch hier gilt im Prinzip die Regelung, dass die Wohnkosten angemessen sein müssen. Allerdings müssen die kommunalen Höchstmieten oftmals überschritten werden, um überhaupt Wohnraum zu finden. 17 Aktuelle Daten zur Struktur sind für NRW noch nicht verfügbar; die Angaben beziehen sich auf Daten aus 2015. Für weitere Informationen siehe den 3. Bericht der Bundesregierung über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld- und Mieten bericht 2016, Bundestagsdrucksache 18/13120, 2017. 250.000 200.000 150.000 100.000 50.000 0 Abb. 1.4.4: Bezieher sonstiger Sozialleistungen zum Wohnen in Nordrhein-Westfalen 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Daten: IT.NRW (Sozialleistungsstatistiken) NRW.BANK 2017 Personen (Wohngeld: Haushalte) Grundsicherung im Alter (SGB XII) Grundsicherung bei Erwerbsminderung (SGB XII) Asylbewerberleistungen (AsylbLG) Wohngeld (Haushalte) Hilfe zum Lebensunterhalt (SGB XII)
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